Wie können wir mit Fake News umgehen?

Die Mobilisierung vieler junger Menschen in den letzten Wochen und Monaten wird nicht von allen Teilen der Gesellschaft positiv aufgenommen. Insbesondere Bewegungen wie #FridaysForFuture, aber auch zivilgesellschaftliche Initiativen wie die Seenotretter stehen im Kreuzfeuer populistischer Berichterstattung. Während manche Menschen die Werte und Forderungen der Bewegung nicht teilen – in unserer Gesellschaft, mit einer im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit, völlig legitim – greifen andere zu perfiden Mitteln:

So werden gezielt Falschinformationen (»Fake News«) gestreut, um – zum Beispiel – die #FridaysForFuture-Bewegung zu diskreditieren, gegen Seenotretter zu hetzen und die öffentliche Meinung zu manipulieren. Doch nicht nur sie sind davon betroffen: In fast jedem Bereich des politischen Geschehens werden wissent- und willentlich falsche Informationen und Inhalte erstellt und geteilt, um gegen Einzelpersonen, Gruppierungen oder ganze Bewegungen zu hetzen.

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Gegen Fake News und für mehr Echtheit im Netz.

Wir sind in die Tiefen der sozialen Netzwerke hinabgestiegen und darüber erschrocken, mit welcher Selbstverständlichkeit und welchem Selbstbewusstsein dort zum teil willentlich falsche Bilder, Zitate oder Nachrichten verbreitet werden. Es zeigt sich das Ausmaß ganzer Manipulationskampagnen, die auf eine Verschiebung des digitalen Diskurses abzielen. Eine solche Verschiebung führt zu einer Vergiftung des gesamtgesellschaftlichen Klimas und beeinflusst das reale Leben und politische Geschehen in seinen Grundfesten.

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Was können wir also tun?

Es gibt einige Tipps, wie man mit Falschinformationen online sowie offline umgehen kann. Sicherlich ist diese Liste nicht vollständig und es gibt noch Dutzende andere Herangehensweisen, jedoch möchten wir allen Internetnutzern erste praktische Hinweise zur Hand geben.

01 // Stelle fest, ob es sich um Falschinformationen handelt!

  1. Recherchiere die Information. Gib betreffende Schlagworte in die Suchmaschine ein und prüfe, ob und welche Medien ebenfalls darüber berichtet haben. Wenn du nichts dazu findest, dann kannst du dir relativ sicher sein, dass die Meldung frei erfunden ist.
  2. Wenn du Informationen auf einer externen Website findest: Mach dich auf die Suche nach einem Impressum. Jede Seite in Deutschland ist verpflichtet, ein Impressum vorzeigen zu können. Findest du keines, dann dann ist die Website wahrscheinlich nicht seriös.
  3. Wenn Falschmeldungen mit Bildern hinterlegt sind: Benutze die Rückwärtssuche von Google. Mit diesem Tool kann man Bilder hochladen und Google schlägt einem die passenden Treffer dazu vor. So kannst du rasch herausfinden, ob das Bild aus einem anderen Kontext gerissen wurde. Da grafische Inhalte sehr stark wirken, sind diese Art von Fake News sehr häufig.
  4. Nutze die Dienste von Websites, die Falschmeldungen widerlegen und Fakten anbieten: Beim Faktenfinder der Tagesschau wird man rasch fündig: http://faktenfinder.tagesschau.de. Zu fast jedem aktuellen Thema werden sorgfältig recherchierte Informationen zur Verfügung gestellt. Eine weitere hilfreiche Informationsquelle ist der Faktencheck von CORRECTIV. CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Es recherchiert zu Themen, die für die Entwicklung unserer Gesellschaft wichtig sind. Die Website findest du hier: https://correctiv.org/thema/faktencheck/

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02 // Widerlege Falschinformationen

Der klassische Ort, an dem man Falschmeldungen antrifft, sind die Kommentarspalten sozialer Netzwerke. Mit Counterspeech kannst du Hass, Hetze, Desinformation und Abwertung deine Stimme entgegensetzen. Eine spezielle Unterkategorie hier ist das Widerlegen von Falschinformationen: Findest du Informationen, die du für falsch oder verzerrt hälst, und kannst dies belegen, beginne ein Gespräch darüber und stelle deine Meinung der des Gegenübers entgegen.

  1. Einer der wichtigsten Punkte beim Counterspeechen, der auch für das Widerlegen von Falschmeldungen gilt: Du wirst dein Gegenüber in den meisten Fällen nicht überzeugen können – aber du erreichst mit deinem Kommentar viele unsichtbare Mitleser, bei denen du einen Gedankenanstoß erzielen kannst.
  2. Wenn du Falschinformationen hinterlegst, dann füge deinen Fakten die jeweiligen Quellen hinzu. So kann jeder nachlesen, wo du diese Informationen gefunden hast – und erkundigt sich im besten Falle auch weiter zur Thematik.
  3. Formuliere freundlich und empathisch – vermeide einen herablassenden Ton, auch wenn du die Falschinformationen für offensichtlich dämlich hältst. Durch einen höflichen und vernünftigen Kommentar kannst du den Diskurs auf eine sachliche Ebene bringen. Und selbst wenn du bei deinem Diskussionspartner nichts erreichst – denke wieder an die unsichtbaren Mitleser!
  4. Benutze, wenn in dem sozialen Netzwerk zulässig, Grafiken, um deine Fakten zu unterlegen. Bildmaterial sticht in der Kommentarspalte hervor und bleibt hängen.

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03 // Melde Falschinformationen!

Bei Facebook beispielsweise kann man mittlerweile auch Falschmeldungen melden. Angeblich werden Meldungen gelöscht die von mehreren Nutzern als Fake-News gemeldet wurden. Der Verbreiter dieser News wird von Facebook mit einer Nachricht über die Meldung informiert. Wir können nicht sicher sagen, wie verlässlich das funktioniert, aber: Wenn es diese Funktion schon gibt, dann lasst sie uns auch nutzen und zeigen, dass Interesse daran besteht!

Beziehen sich Fake News auf Personen, und sind zum Beispiel wissent- und willentlich falsch, könnten sie auch strafrechtlich relevant sein – solche Beiträge kannst Du uns auch an unsere Zentrale Meldestelle für Hatespeech melden.

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Und im echten Leben?

Auch im echten Leben gerät man häufig in Diskussionen, in denen plötzlich Fakten auftauchen, von deren Wahrheitsgehalt man nicht unbedingt überzeugt ist. Auch hier gibt es einige Tipps für einen konstruktiven Umgang damit:

  1. Frage freundlich und mit ehrlichem Interesse nach, woher die Informationen stammen. Wenn dein Gesprächspartner dir wenig konkret antwortet, dann weise auf das Problem von Falschmeldungen hin, und dass seine Information eventuell falsch sein könnte. Oftmals hat dein Gegenüber gar nicht die Absicht, Falschinformationen zu verbreiten – viele Menschen glauben und teilen rasch Informationen, ohne nach dem Wahrheitsgehalt zu forschen.
  2. Wenn du dir unsicher bist: Bitte ruhig darum, es kurz nachschauen zu dürfen! Mittlerweile hat jeder ein Smartphone zur Hand und vieles lässt sich innerhalb von 3 Minuten recherchieren. Nimm dein Gegenüber mit und versucht gemeinsam, die Quelle für die betreffenden Fakten zu finden.
  3. Wenn du die korrekten Fakten bereits zur Hand hast, dann feuer sie nicht in das Gesicht deines Gegenübers. Man fühlt sich sehr schnell sehr dumm, wenn man mit harten Zahlen und Fakten konfrontiert wird, die dazu noch den eigenen Standpunkt zerlegen. Dieses Gefühl ist keine gute Basis für eine gesunde Diskussion, sondern führt nur zu weiterer Spaltung.
  4. Erwarte keine überschwängliche Einsicht oder Dankbarkeit von deinem Gegenüber für korrekte Fakten. Vieles muss auch erstmal sacken – und oft entfalten sich Informationen und Inhalte von Diskussionen erst im Nachhinein.

Oftmals hat dein Gegenüber gar nicht die Absicht, Falschinformationen zu verbreiten – viele Menschen glauben und teilen rasch Informationen, ohne nach dem Wahrheitsgehalt zu forschen.

Auch wenn die schiere Masse an Falschmeldungen zermürbend wirken kann – wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht ganz machtlos sind! Mit den oben genannten Tipps kann jede und jeder durch Counterspeech Falschmeldungen entgegenwirken und einen kleinen Teil dazu leisten, dass mehr Wirklichkeit im Netz einzieht.

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Eva Schoffs, Redaktion Hassmelden
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